Summary
Highlights
Lin bevorzugt keine sächliche Anrede, da sie kein Ding ist. Da es keine spezifische Anrede für intersexuelle Menschen gibt, akzeptiert sie männliche oder weibliche Anreden, schlägt aber vor, direkt zu fragen. Beide betonen, dass Intersexualität nicht automatisch Homo- oder Bisexualität bedeutet, da sexuelle Orientierung individuell ist.
Lin empfindet Saunabesuche und Schwimmbäder als schwierig aufgrund neugieriger Blicke, während Lisa sich, da ihre Intersexualität äußerlich nicht sichtbar ist, in Saunen entspannt fühlt. Beide bestätigen, dass Intersexuelle Diskriminierung erfahren, beginnend bei alltäglichen Dingen wie Toilettengängen bis hin zu medizinischen Eingriffen, die ohne Notwendigkeit zur Normalisierung der Genitalien durchgeführt wurden. Lin beschreibt ihre Operationen als Genitalverstümmelung.
Die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, variiert stark unter intersexuellen Menschen. Lin konnte keine Kinder bekommen, da sie keine Gebärmutter hatte und ihre Hoden entfernt wurden. Sie äußert Bedauern darüber, dass bei operativen Eingriffen nicht auf die Fruchtbarkeit geachtet wird. Auch Mina fragt nach Hormonschwankungen; es wird erklärt, dass Männer und Frauen gleichermaßen männliche und weibliche Hormone produzieren. Lin und Lisa müssen aufgrund entfernter hormonproduzierender Organe Hormone ersetzen, was eine ständige Herausforderung darstellt.
Jahrelang waren Operationen an intersexuellen Kindern in Deutschland erlaubt, oft ohne medizinische Notwendigkeit. Selbst nach Änderungen der medizinischen Leitlinien im Jahr 2007, die kosmetische Operationen einschränkten, und der Mahnung des Ethikrates 2012 fanden weiterhin zahlreiche Operationen statt. Erst seit 2021 sind solche Operationen ohne Zustimmung des Kindes gesetzlich verboten, doch für die bereits Betroffenen kommt dies zu spät.
Lin und Lisa besprechen, ob sie mit ihren Geschlechtsorganen Orgasmen haben können, was bejaht wird. Bei sexuellen Begegnungen erklärt Lin ihre Anatomie aufgrund von Narben und Schmerzen, was sie als bereichernd empfindet, da es zu mehr Offenheit führt. Lisa, bei der die Intersexualität äußerlich nicht sichtbar ist, muss nichts erklären, spürt aber eine größere Entspannung, wenn Partner darüber informiert sind. Beide haben mittlerweile eine positive Beziehung zu ihrem Körper und lieben ihn mit all seinen Besonderheiten.
Alle Embryonen entwickeln sich anfangs intersexuell. Gene und Hormone bestimmen später die Geschlechtsentwicklung, wobei Störungen in diesem komplexen Zusammenspiel zu Intersexualität führen können, wie am Beispiel der Androgenresistenz erläutert. Um intersexuelle Menschen zu unterstützen, wird dazu aufgerufen, sie anzunehmen, wie sie sind, nicht zu tabuisieren, offen über Anreden zu sprechen und im Alltag auf Inklusivität zu achten, zum Beispiel bei Formularen. Die Frage nach Unterstützung wird als sehr berührend und als wichtiger Schritt zur Bewusstseinsschärfung empfunden.