Summary
Highlights
Das Leben ist unfair, die Stärkeren kriegen mehr. Das gilt auch für chemische Verbindungen. Manche Atome bilden Ionenbindungen (z.B. Natriumchlorid), andere Atombindungen (z.B. Wasser). Die grundlegende Frage ist: Wie kann man die Bindungsart einer unbekannten Verbindung wie SF6 oder Na2S bestimmen?
Zur Beantwortung dieser Frage dient die Elektronegativität (EN), abgekürzt EN oder chi. Sie beschreibt, wie stark ein Element Bindungselektronen zu sich ziehen kann. Die Werte für die Elektronegativität, die zwischen 0,7 und 4 liegen, sind im Periodensystem verzeichnet. Fluor hat die höchste EN (ca. 3,98-4,10) und Francium die niedrigste (ca. 0,70-0,90). Im Periodensystem nehmen die Werte von unten links nach oben rechts zu.
Um die Bindungsart zu bestimmen, berechnet man die Differenz der Elektronegativitäten (ΔEN) der beteiligten Atome, wobei immer der kleinere Wert vom größeren abgezogen wird, um eine positive Differenz zu erhalten. Ist ΔEN größer als 1,7, liegt eine Ionenbindung vor. Ist sie kleiner als 1,7, handelt es sich um eine Atombindung. Beispiele wie Natriumchlorid (ΔEN = 2,3, Ionenbindung) und Wasser (ΔEN = 1,2, Atombindung) werden vorgestellt. Es wird betont, dass 1,7 keine starre Grenze ist.
Das Konzept der Elektronegativitätsdifferenz wird vertieft, um unpolare und polare Atombindungen zu erklären. Bei einer ΔEN von 0, wie bei O2, liegen gleich starke Partner vor, was zu einer unpolaren Atombindung führt, bei der die Bindungselektronen gleichmäßig verteilt sind. Bei HCl (ΔEN = 1) ist Chlor elektronegativer als Wasserstoff, zieht die Bindungselektronen stärker an und erzeugt so eine polare Atombindung (mit Teilladungen δ- und δ+).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Elektronegativität die Fähigkeit eines Elements beschreibt, Bindungselektronen anzuziehen. Die Werte finden sich im Periodensystem. Die Bindungsart wird durch die Differenz der Elektronegativitäten bestimmt: ΔEN < 0,5 ist eine unpolare Atombindung; 0,5 ≤ ΔEN ≤ 1,7 ist eine polare Atombindung; und ΔEN > 1,7 ist eine ionische Bindung. Die Elektronegativität ist ein wichtiges Werkzeug für Oxidationzahlen und die Klassifizierung von Lösungsmitteln.