Summary
Highlights
Deutschland, eine Nation, die lange brauchte, um geeint zu werden, tritt ins 20. Jahrhundert ein. Kaiser Wilhelm II. strebt danach, Deutschland zu einer Weltmacht zu formen, was das Schicksal der Nation aufs Spiel setzt. Proteste und Aufstände der Marine in Kiel im November 1918 zeigen erste Risse im System, da die Forderung nach einem Ende des Weltkriegs und der Abdankung des Kaisers laut wird. Die Lage an der Front und in der Heimat ist hoffnungslos, Millionen Soldaten sind gefallen oder verwundet.
Seit dem späten 19. Jahrhundert ist Deutschland geeint und Berlin entwickelt sich rasant zu einer modernen Metropole. Das Wilhelminische Kaiserreich ist geprägt von wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Aufschwung, 'Made in Germany' wird zum Gütesiegel. Wilhelm II., ein impulsiver Monarch, strebt nach Weltgeltung für sein Reich und erweitert den Kolonialbesitz zur Demonstration seiner Macht. Die Flottenrüstung, insbesondere der Bau einer eigenen Flotte, führt zu Spannungen mit Großbritannien, da Wilhem seine Flotte als Zeichen deutscher Weltpolitik und des Prestiges betrachtet.
Wilhelms Persönlichkeit ist eine Mischung aus Größenwahn und Depression, geprägt von einer schwierigen Kindheit aufgrund einer körperlichen Behinderung. Diese Behinderung belastete die Beziehung zu seiner Mutter und führte dazu, dass er sich dem preußischen Militär zuwandte. Er inszenierte sich gerne als oberster Kriegsherr und schlüpfte in historische Militärrollen. Im Wilhelminischen Deutschland genoss der Militärrang ein höheres Ansehen als zivile Leistungen, was zu einem Militarismus führte, der auch von der Sozialdemokratie kritisiert wurde.
Wilhelm betrachtet Sozialdemokraten als 'Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen Deutscher zu tragen'. Die Arbeiterbewegung fordert Mitbestimmung und politische Vertretung durch die SPD, die zur stärksten Kraft im Reichstag wird. Deutsche Großmachtpolitik soll von inneren Spannungen ablenken, wobei Wilhelm den Weg der Diplomatie meidet. Seine 'Hunnenrede' im Boxeraufstand prägt das Bild der Deutschen in der Welt und verdeutlicht seine kriegerische, überhebliche Rhetorik, die zunehmend zum diplomatischen Risiko wird. Kritiker im Reichstag, wie Philipp Scheidemann, warnen vor den Folgen dieser Politik.
Das Machtgefüge in Europa ist angespannt, Allianzen verschieben sich. Das Attentat von Sarajewo im Juni 1914 dient als Auslöser. Österreich-Ungarn will mit Serbien abrechnen und baut auf deutsche Unterstützung. Wilhelm bewilligt einen 'Blankoscheck', der einen Krieg mit Russland und potenziell anderen Großmächten in Kauf nimmt. Trotz späterer Versuche Wilhelms, den Frieden zu bewahren, lässt er sich nicht durchsetzen. Am 1. August 1914 erklärt Deutschland Russland den Krieg und mobilisiert, was von der Bevölkerung mit großer Kriegsbegeisterung aufgenommen wird – in der Hoffnung auf einen kurzen Konflikt.
Der Erste Weltkrieg entwickelt sich zum Massensterben, gekennzeichnet durch den Einsatz von Giftgas und einen zermürbenden Stellungskrieg. Die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff übernimmt faktisch die Kontrolle über den Staat, und der Kaiser rückt in den Hintergrund. Nach der russischen Revolution und dem Ende des Krieges im Osten diktieren die Deutschen harte Friedensbedingungen. Doch an der Heimatfront herrscht Not, und die deutsche Armee ist im Sommer 1918 erschöpft. Die Heeresleitung drängt den Kaiser zu einer parlamentarischen Regierung, und eine Revolution bricht aus.
Die Matrosenmeuterei in Kiel löst die Novemberrevolution aus, die sich schnell in ganz Deutschland ausbreitet. Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen die Macht. In Berlin fordert Kanzler Max von Baden den Kaiser zur Abdankung auf, doch Wilhelm weigert sich. Am 9. November 1918 verkündet der Kanzler eigenmächtig Wilhelms Abdankung und übergibt die Regierung den Sozialdemokraten. Philipp Scheidemann ruft die erste deutsche Republik aus, ein gewagter Schritt, der den Weg zur Demokratie ebnet. Die Dokumentation endet mit einem Rückblick auf die deutsche Geschichte, ihre Brüche und die schließlich errungene Einheit in Freiheit.