Summary
Highlights
Aphantasie ist die Unfähigkeit, sich klare Bilder im Kopf vorzustellen und betrifft etwa 4 % der Weltbevölkerung. Während die meisten Menschen in ihrem Kopf Details einer Szene visualisieren können, sehen Menschen mit Aphantasie absolut nichts. Dies wurde erstmals im 19. Jahrhundert von einem Psychologen charakterisiert, der feststellte, dass mentale Bilder auf einem Spektrum existieren.
Mentale Bilder existieren auf einem Spektrum. Am einen Ende sind Menschen mit Aphantasie, die keine Bilder im Kopf sehen können. Am anderen Ende sind Menschen mit Hyperphantasie, deren innere Bilder so real sind, dass sie dem tatsächlichen Sehen ähneln. Die meisten Menschen liegen irgendwo zwischen diesen Extremen.
Wissenschaftler haben nach objektiven Wegen gesucht, um mentale Bilder zu messen. Eine Studie untersuchte die Pupillenreaktion: Das bloße Vorstellen von Licht führt bei Personen mit mentalen Bildern zu einer Pupillenverengung, bei Personen mit Aphantasie jedoch nicht. Gehirnscans zeigen auch, dass Personen mit Aphantasie im Schlaf mentale Bilder sehen können, was auf unterschiedliche Mechanismen für bewusste Visualisierung und Traumbilder hindeutet.
Das Erzeugen eines mentalen Bildes im wachen Zustand ist ein „Top-Down“-Prozess, der mehrere Gehirnregionen aktiviert, die für kognitive Kontrolle, Gedächtnis und Sehen zuständig sind. Bei Hyperphantasie-Patienten gibt es stärkere Verbindungen zwischen diesen Regionen. Traumbilder hingegen werden wahrscheinlich durch einen „Bottom-Up“-Pfad erzeugt, der tief im Gehirn visuelle und gedächtnisbezogene Systeme spontan aktiviert.
Aphantasie tritt oft familiär auf, was auf einen genetischen Einfluss hindeutet. Sie kann auch durch Hirnverletzungen oder psychische Erkrankungen im späteren Leben erworben werden. Diese Variationen werden nicht als Störungen, sondern als faszinierende Aspekte der menschlichen Erfahrung angesehen. Aphantasie kann vor negativen Emotionen schützen, die durch negative Vorstellungen hervorgerufen werden, während Hyperphantasie zu reicheren Erinnerungen führt. Diese Unterschiede können sogar die Berufswahl beeinflussen, wobei Personen mit Aphantasie zu MINT-Berufen tendieren und Personen mit Hyperphantasie zu künstlerischen Berufen.