Summary
Highlights
Der Arabische Frühling begann in Sidi Bouzid, Tunesien, ausgelöst durch die Selbstverbrennung von Mohammed Bouazizi am 17. Dezember 2010. Sein Tod prangerte die Korruption und Willkür des Regimes von Präsident Ben Ali an und mobilisierte die Bevölkerung. Handyvideos und soziale Medien trugen die Botschaft des Protests landesweit, was am 14. Januar 2011 zum Sturz der Diktatur von Ben Ali führte und Tunesien zum Ausgangspunkt für weitere Aufstände in der arabischen Welt machte.
Die Nachricht vom tunesischen Aufstand erreichte Ägypten, wo Hosni Mubarak seit Jahrzehnten regierte. Tausende versammelten sich am 25. Januar 2011 auf dem Tahrir-Platz und forderten Reformen. Das Militär, strategisch denkend, stellte sich auf die Seite des Volkes, was zu Mubaraks Rücktritt führte. Dadurch entstand ein Machtvakuum, in das die Muslimbrüder stießen, die unter ihrem Anführer Mohammed Mursi 2012 die Macht übernahmen, mit dem Ziel, einen islamischen Staat aufzubauen. Katar und der Sender Al-Jazeera unterstützten den Aufstieg der Islamisten maßgeblich.
In Syrien führte der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad ab März 2011 zu einem brutalen Bürgerkrieg. Assads Regime reagierte mit extremer Gewalt, was zur Destabilisierung und massiven Fluchtbewegungen führte. Das entstandene Machtvakuum nutzte die Terrormiliz des Islamischen Staates (IS), die 2014 weite Teile Syriens und des Irak eroberte. Die Türkei unter Erdoğan profitierte taktisch von der Konfrontation zwischen IS und Kurden, da sie das Erstarken kurdischer Autonomiegebiete verhindern wollte.
Nach nur einem Jahr der Herrschaft von Mohammed Mursi und den Muslimbrüdern in Ägypten folgten erneute Proteste aufgrund der ausbleibenden Verbesserungen und der zunehmenden Islamisierung. Militärputsch unter General Abdel Fattah al-Sisi beendete im Sommer 2013 die Herrschaft der Muslimbrüder. Tausende ihrer Anhänger wurden getötet oder inhaftiert. Al-Sisi übernahm die Macht und herrschte noch härter als Mubarak, was den Arabischen Frühling in Ägypten effektiv beendete und zu einem Exodus politisch aktiver Bürger führte.
Der Libanon wurde zunächst von den Unruhen des Arabischen Frühlings verschont, aber die tiefe Verwurzelung von Korruption und Vetternwirtschaft führte 2019 zu Protesten. Die schiitische Hisbollah, einst eine Widerstandsbewegung, wurde Teil des korrupten Establishments. Eine verheerende Explosion im Hafen von Beirut 2020, verursacht durch ungesichertes Ammoniumnitrat, symbolisierte das Versagen des Staates und die weitreichenden Folgen der Korruption, was die Abwanderung vieler Libanesen verstärkte.
Trotz vieler Rückschläge gibt es Hoffnung auf Wiederaufbau, wie in Mossul, wo Gouverneur Najem al-Dschuburi das Vertrauen der Bevölkerung wiedergewinnen will. Er betont die Notwendigkeit von wirtschaftlicher Perspektive, um Extremismus keine Angriffsfläche zu bieten. Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling hat sich die Lage gewandelt: In vielen Ländern sind die Regime härter geworden oder Bürgerkriege ausgebrochen. Tunesien jedoch hat sich als einziges Land mit einer neuen Verfassung und friedlichen Machtwechseln etabliert. Das Streben nach Freiheit und Würde bleibt jedoch in der gesamten Region bestehen, und Persönlichkeiten wie die Bürgermeisterin Ballett League in Tunesien zeigen, dass die Suche nach einer besseren Zukunft weitergeht.