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Der Traum vom eigenen Haus ist in Deutschland weit verbreitet, doch die Realität ist ernüchternd. Deutschland hat eine der niedrigsten Wohneigentumsquoten in der EU. Viele junge Menschen träumen von einem Einfamilienhaus, aber nur wenige können sich diesen Traum leisten. Die Erschwinglichkeit von Eigenheimen hat sich in den letzten Jahrzehnten verschlechtert, wobei der monatliche Kreditanteil am Nettoeinkommen in vielen Regionen die empfohlene Grenze von 35% überschreitet.
Die Familie Beckmann-Vandebusch aus Kiel sucht seit einem Jahr ein Haus, da ihre 76 Quadratmeter große 3-Zimmer-Wohnung für zwei kleine Kinder zu klein wird. Sie wünschen sich mehr Freiraum, die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung und einen Garten. Ihr Traum vom Haus ist stark von der Erfahrung der Großeltern und Eltern geprägt, die sich ein Eigenheim noch leichter leisten konnten.
In den 1950er und 60er Jahren war die Idee weit verbreitet, dass sich jeder ein Haus leisten kann, begünstigt durch das Wirtschaftswunder. Ein Beispiel dafür ist Familie Holländer aus Weddel, die 1969 ein Haus für 89.000 D-Mark kaufte. Obwohl dies heute nur etwa 45.000 Euro wären, muss man die Inflation und das damalige Nettoeinkommen berücksichtigen. Mit Inflation entsprächen 89.000 D-Mark heute etwa 200.000 Euro. Die Zinsen sind seit 2021 stark gestiegen, was den Hauskauf zusätzlich erschwert. Dennoch war Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre die Erschwinglichkeit von Häusern statistisch gesehen oft geringer als heute.
Das größte Problem für junge Hauskäufer ist das benötigte Eigenkapital. Während 1980 das 3,5-fache des Nettojahreseinkommens nötig war, sind es heute über das Fünffache. Die Sparzeit hat sich von durchschnittlich 12 auf 22 Jahre verdoppelt. Beispielrechnungen zeigen, dass für ein Haus von 450.000 Euro im Hamburger Speckgürtel über 50.000 Euro Nebenkosten und weitere 90.000 Euro Eigenkapital für bessere Zinsen anfallen, insgesamt also 140.000 Euro. Dies ist nur mit hohem Einkommen oder familiärer Unterstützung zu stemmen.
Deutschland gehört zu den Ländern mit der größten Vermögensungerechtigkeit in der EU. Immobilienbesitz ist dabei ein entscheidender Faktor: Eigentümerhaushalte verfügen im Schnitt über fast das Siebenfache an Vermögen wie Mieterhaushalte. Besonders in Ostdeutschland ist die Wohneigentumsquote geringer, was mit der Nachwendezeit und Erbschaften zusammenhängt. Früher wurden Familien beim Hausbau stärker staatlich gefördert, beispielsweise durch Zuschüsse und günstige Darlehen. Diese Förderungen, wie das Baukindergeld, wurden 2006 unter Kanzlerin Angela Merkel abgeschafft oder später nicht verlängert. Heute gibt es nur noch KfW-Kredite mit strengen Auflagen, die jedoch das grundlegende Problem nicht lösen.
Alternative Wohnformen wie moderne Siedlungen, die für die Mittelschicht gedacht sind, bieten oft keine Lösung. Ein Beispiel aus Hamburg-Jenfeld zeigt, dass auch hier die Preise für Reihenhäuser mit bis zu 699.000 Euro für viele unerreichbar sind. Die Realität ist, dass selbst solche Projekte abseits der Innenstadt für eine durchschnittliche Mittelschichtfamilie kaum bezahlbar sind. Diese Frustration über die fehlende Bezahlbarkeit von Wohnraum nagt am Vertrauen in die Politik und das demokratische System.
Statistisch gesehen hat sich der Hauskauf nicht so dramatisch verändert, wie oft angenommen. Die größte Veränderung und Hürde stellt das gestiegene Eigenkapital dar. Staatliche Lösungen wirken oft unzureichend und führen zu Frustration. Eine Investition in bezahlbaren Wohnraum und die Unterstützung junger Familien wäre eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft, wie es ältere Generationen noch erleben durften.