Summary
Highlights
Die Debatte um Wirtschaftsordnungen, die in Deutschland 1948 noch die Systemfrage nach demokratischem Sozialismus oder Marktwirtschaft aufwarf, ist auch heute noch relevant. Es gibt Unzufriedenheit mit der bestehenden Wirtschaftsordnung, und es ist wichtig, immer wieder über die Gestaltung und die Möglichkeiten der Wirtschaftsordnung nachzudenken.
Eine Wirtschaftsordnung definiert die Leitplanken des Wirtschaftsgeschehens, lenkt die Wirtschaftssubjekte und gibt den Rahmen für deren Handlungen vor. Sie umfasst die Gesamtheit aller Regeln, Normen und gesetzlichen Institutionen, die das wirtschaftliche Geschehen in einer Gesellschaft bestimmen. Sie schafft Anreize und Erwartungshaltungen für Wirtschaftsakteure und definiert Aufgabenbereiche für die Wirtschaftspolitik.
Es gibt zwei Idealformen von Wirtschaftsordnungen: die Zentralverwaltungswirtschaft und die Marktwirtschaft. Vier wesentliche Kriterien prägen eine Wirtschaftsordnung: die Eigentumsverfassung an Produktionsmitteln, die Allokationsmechanismen, die Preisbildung und die Ziele der Betriebe (betriebliche Erfolgsmessung).
Hier besteht der Dualismus zwischen Privateigentum und Kollektiveigentum an Produktionsmitteln. In der Marktwirtschaft herrscht typischerweise Privateigentum an Produktionsmitteln wie Sachkapital und Boden. In Zentralverwaltungswirtschaften sozialistischer Prägung gibt es Kollektiveigentum, das meist durch eine staatliche Einheit verwaltet wird.
Das Allokationsproblem der knappen Ressourcen wird entweder dezentral über freie Tauschprozesse an Märkten gelöst, was mit Privateigentum korrespondiert, oder zentral nach einem staatlichen Plan. Im zentralen Plan werden von Experten Entscheidungen getroffen, wohin die knappen Ressourcen gelenkt werden.
In der Marktwirtschaft erfolgt die Preisbildung dezentral durch Angebot und Nachfrage an Märkten. Preise ergeben sich aus Verhandlungsprozessen und ändern sich permanent. In einer Zentralverwaltungswirtschaft gibt es üblicherweise eine zentrale Vorgabe der Preise, die von staatlichen Behörden festgesetzt und verordnet werden, wie beispielsweise in der ehemaligen DDR.
In der Marktwirtschaft ist die Gewinnmaximierung das primäre Ziel und Kriterium für den Erfolg eines Betriebs. Gewinnerwartungen spiegeln sich beispielsweise in Aktienkursen wider. In der Zentralverwaltungswirtschaft gibt es keine Gewinne im marktwirtschaftlichen Sinne; stattdessen ist die Planerfüllung der entscheidende Erfolgsparameter für Betriebe.
Die Marktwirtschaft ist durch Privateigentum, dezentrale Allokation und Preisbildung sowie Gewinnmaximierung geprägt. Die Zentralverwaltungswirtschaft hingegen durch Kollektiveigentum, zentrale Planung und Preisvorgaben sowie Planerfüllung. In der Realität gibt es jedoch häufig Mischformen, bei denen einzelne Parameter der Wirtschaftsordnung staatlich beeinflusst oder reguliert werden, auch innerhalb einer grundsätzlich marktwirtschaftlichen Ordnung.