Summary
Highlights
Der Vortrag leitet eine neue Reihe über den Propheten Nuh ein. Nach detaillierten Betrachtungen der menschlichen Geschichte vor und um Adam werden nun die Geschichten des Propheten Nuh beleuchtet. Nuh wird im Koran 45 Mal erwähnt, und eine ganze Sure ist nach ihm benannt (Sure 71). Dies unterstreicht seine enorme Bedeutung und den Umfang seiner Geschichte, die sich über 115 Verse erstreckt. Er nimmt eine gewaltige Stellung ein, und es ist wichtig, seine Geschichte genauer zu betrachten.
Die genaue Zeitspanne von Nuhs Leben ist umstritten. Überlieferungen berichten von zehn Generationen zwischen Adam und Nuh, doch solche Angaben aus den 'Isra'iliyyat' (jüdische Überlieferungen) müssen kritisch betrachtet werden, da sie oft nicht authentisch vom Propheten Muhammad stammen und historische Details selten durch den Koran bestätigt werden. Der Koran ist kein Geschichtsbuch, sondern ein Buch der Rechtleitung. Nuh ist chronologisch einer der frühen und großen Propheten, ein 'Rasul' (Gesandter), der eine eigene Botschaft und Gebote an sein Volk verkündete.
Nuh gehört zu den 'Ulul Azm' – den fünf Propheten, die von Allah im Koran als besonders entschlossen und standhaft beschrieben werden. Diese sind Nuh, Ibrahim, Musa, Isa und Muhammad (Friede sei mit ihnen allen). Allah erwähnt sie in Sure Al-Ahzab (Vers 7-8) und Sure Ash-Shura (Vers 13). Ihre Botschaft, die Einheit Gottes zu verkünden und das Polytheismus zu meiden, ist dieselbe. Dies verdeutlicht, dass die Kernbotschaft aller Propheten, der Monotheismus, unverändert bleibt, während die Scharia (Gesetze) sich an die jeweiligen Zeiten anpasst.
Die fundamentale Botschaft aller Propheten ist die Aufrechterhaltung der Religion und die ausschließliche Anbetung Allahs. Dies zeigt sich auch im Vergleich von Islam, Judentum und Christentum. Während Islam und Judentum eine identische Vorstellung von Monotheismus teilen, weicht das Christentum mit der Dreifaltigkeitslehre stark ab, obwohl Jesus selbst Jude war. Dies wirft die Frage auf, wie sich die Botschaft Jesu im Laufe der Zeit wandelte. Der Koran bestätigt die vorherigen Offenbarungen und unser Prophet ist keine Neuheit unter den Gesandten, was die Kontinuität der Botschaft untermauert.
Nuh wurde zu einem Volk gesandt, das dem Götzendienst verfallen war. Dies war die schlimmste Sünde und hatte sich über Generationen hinweg verbreitet. Der Koran und die Sunnah erklären, wie dies geschah: Shaitan (Satan) verführte die Menschen schrittweise. In Sure Nuh (Verse 21-23) werden fünf Götzen erwähnt (Wadd, Suwa, Yaghuth, Ya'uq, Nasr), die ursprünglich Namen frommer Männer waren. Nach ihrem Tod wurden Denkmäler zu ihrer Erinnerung errichtet, die später von den nachfolgenden Generationen angebetet wurden, als das Wissen um ihren Ursprung verloren ging. Der Imam zieht eine Parallele zu heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen, in denen schleichende Veränderungen anfänglich verpönte Praktiken normalisieren.
Der Imam betont, wie Shaitan sich Zeit lässt, um ganze Gesellschaften in die Irre zu führen. Das Beispiel der Einführung des Götzendienstes bei den Arabern durch Amr ibn Luhayy zeigt, wie dies auch in anderen Kulturen geschah. Muslime haben die Pflicht, sich nicht von derartigen Entwicklungen abzuwenden, sondern aktiv dagegen anzuwirken, sei es durch Hand, Zunge oder zumindest Herzensablehnung. Der Prophet Muhammad verglich dies mit Passagieren eines Schiffes: Wenn die im Unterdeck Löcher bohren, sinkt das ganze Schiff. Muslime müssen Grenzen wahren und sich vor den 'Fußstapfen des Shaitan' hüten, da kleine Sünden zu größeren führen können.
Nuh wurde gesandt, um ein Volk zum Monotheismus zurückzubringen, das Götzendienst praktizierte. Im Gegensatz zu der wissenschaftlichen Annahme, dass der Mensch ursprünglich polytheistisch war, glauben Muslime, dass der Mensch von Natur aus monotheistisch ist ("Fitra"). Shaitan versucht, die Menschen davon abzubringen. Nuh stand vor der gewaltigen Aufgabe, sein Volk ohne Vorbilder zurückzuführen. Allah befahl Nuh, sein Volk vor einer schmerzhaften Strafe zu warnen (Sure Nuh, Vers 1-3). Der Koran berichtet, dass Nuh 950 Jahre lang sein Volk zur Religion aufgerufen hat, eine Zeitspanne, die seine unglaubliche Geduld und Standhaftigkeit unterstreicht. Diese Geduld ist eine entscheidende Eigenschaft für jeden Muslim auf dem steinigen Weg der Religion.